QUADjournal

Grizzly Quad Tagebuch 09.08.2008

GCC08_Mernes_Vorbeifahrt_klein.jpg

Nach dem vierten Lauf in Goldbach zur GCC und kurz vor dem Lauf in Mühlhausen ist Bergfest. Zeit für mich ein Zwischenfazit zu meiner eingesetzten Yamaha Grizzly 700 zu schreiben.

Im Stich gelassen hat mich der Bär auf der Strecke bisher weder im Training noch im Wettkampf. Rund 2.500 km Offroad (nicht Straße) weißt der blaue Bär auf dem Tacho momentan auf. Im Laufe der vier bisherigen GCC-Wettbewerbe habe ich die Yamaha immer wieder modifiziert.

Statt einer Motorleistungssteigerung wurde als erstes das Standartfahrwerk der Grizzly 700 gegen eins von WP-Suspension ersetzt - WP liefert übrigens ganz aktuell für die beiden neuen KTM Quads 450 SX und 525 XC das serienmäßige Fahrwerk. Zwar ist die Standartvariante der Grizzly nicht schlecht fürs bequeme und auch ruhig einmal flottere Geländefahren abgestimmt doch für den Renneinsatz musste etwas anderes her. Die Wahl fiel schon im vergangenen Jahr auf WP-Suspension. Vor und während der Eicma in Mailand führte ich erste Gespräche mit dem Hersteller, der neuerdings für viele ATVs auch einstellbare Fahrwerke in seinem Programm anbietet. Um weiter für WP Testeindrücke aus der Praxis für die Praxis sammeln zu können erklärte ich mich bereit das WP-Fahrwerk in den sieben Läufen der GCC und anderen Veranstaltungen 2008 in meiner Grizzly einzusetzen.

Wer je mit Fahrwerkseinstellung zu tun hatte, weiß, das es viel Zeit kostet durch Tests ein vernünftiges Setup heraus zu finden. Doch die Mühen haben sich gelohnt. Lag ich mit der 700er noch in den ersten drei Läufen jeweils um mehr als drei Minuten hinter dem Spitzenreiter in der ATV-Klasse, konnte ich diesen Zeitabstand in Goldbach beim vierten Lauf auf eine Minute und 20 Sekunden - also weniger als die Hälfte verkürzen. Grund dafür ist nicht nur die gewisse Fitness, die man antrainieren muss, sondern im hohen Maße ein funktionierendes Fahrwerk, dass besonders bei rauen Untergrund eine hohe Geschwindigkeit zulässt ohne sich und die Maschine durch einen Überschlag zu gefährden. Ein persönliches Setup habe ich gefunden und ich bin gespannt wie sich die letzten drei Rennen für mich entwickeln werden.

Bei den Reifen bin ich von den originalen Pneus auf gröbere gewechselt. Das Mehr an Breite, was durch den Reifentyp zusätzlich gewonnen wurde, macht sich besonders bei den vielen Kurven im Zusammenspiel mit der gewählten Vorspannung der Federn bemerkbar. Das ATV taucht weder vorne noch hinten kräftig ein und ermöglicht so fast wie bei einem Quad mit Starrachse hohe Kurvengeschwindigkeiten. Die Größe der Reifen habe ich nicht verändert. 25×8-12 vorne und 25×10-12 hinten sind geblieben. leichtere_Fliehkraftgewichte_Grizz.jpg

Im Zusammenspiel mit den leichteren Gewichten in der CVT, die schneller hohe Drehzahlen an die angetriebenen Rädern weitergibt, beschleunigt die Grizzly spontaner. Das Ergebnis in Goldbach: Immer wieder konnte ich mich an den Führenden besonders auf dem oberen Wiesenstück mit seinen vielen aufeinanderfolgednen Kurven herantasten und Zeit gutmachen, die ich anderswo verloren hatte. Ein kurzer Sprung an die Spitze des ATV-Feldes nach einem geglückten Überholmanöver an Michael Krambehr vorbei war dann die Krönung - bis der Konter kam. Ok, vielleicht folgt eine längere Fortsetzung im nächsten Rennen. Schaun wir mal.

Da das ATV auch für Enduroeinsätze - hier ist in den meisten Fällen eine Straßenumrüstung notwendig -  wurde es mit einer Straßenzulassung versehen. Den Umbau dazu hat die Firma Zweirad Schatten aus Geldern durchgeführt. Seit 1993 bin ich beruflich mit ATVs unterwegs. Ich habe in diesen 15 Jahren daher so machen Umbau gesehen und seine Funktionsweise (oder eben nicht) über die Jahre der Benutzung meiner eigenen ATVS und Quads beobachten können. Der Umbau von Zweirad Schatten - und das ist keine Lobhudelei - gehört zur Spitze. Trotz grausamsten Renn- und Trainingseinsatz bei jedem Wetter, durchgeschüttelt werden auf quälend langen Buckelpisten gab es noch keine Beanstandung. Noch nicht einmal eine Birne der Lichtanlage hat sich verabschiedet. Das hatte ich noch nie! Dazu muss man wissen, das sich die Grizzly bei mir zuhause nicht in einer schönen warmen Garage aufhält, sondern das ganze Jahr über im Freien gehalten wird. Kabelbinder_Lampe_hinten.jpgEinziger kleiner Kritikpunkt am Umbau ist die Befestigung der Heckblinker mit Nieten am Gepäckträger. Die Nietverbindungen haben die vielen Offroadeinsätze nicht überlebt. Schraubverbindungen mit Sicherheitsschrauben sollten hier in Zukunft Verwendung finden.

Nach dem Rennen, ist vor dem Rennen. Die Vorbereitung des ATVs ist ein Muss. Der Motorkühler liegt gut geschützt vor Seitenspritzen unter der vorderen Abdeckung. Matschtreffer kann aber der frontale Schutz nicht verhindern. Besonders nach dem Schlammeinsatz im ersten GCC-Rennen in Tollwitz und der noch schlammigeren Ardennenrundfahrt in Belgien haben gezeigt, dass nur etwa knapp ein Drittel der Kühleroberfläche ohne Treffer geblieben ist. Dennoch gab es keine Temperaturprobleme. Dem Motor und seiner Lebensdauer zu Liebe sollte jeder eine anschließende Grundreiningung mit fließend Wasser - am besten aus dem Gartenschlauch - durchfühen. Ein Hochdruckreiniger verbiegt die Lamellen der empfindlichen Kühleroberfläche und kann dazu führen, dass der Kühler stark an Kühlleistung verliert.

Luftfilterreinigung_Grizz_700.jpgJe nach Staubentwicklung auf der Piste im Rennen oder im Training verdient der Luftfilter besondere Aufmerksamkeit. Und hier sind wir bei der Kritik an der Grizzly selbst angelangt. Die Plastiksteckkombination der Seitenteile und des oberen schwarzen Schutzes über dem Luftfilter sind bei der häufigen De- und Montage für die Reinigung des Luftfilters ein Graus. Das wackelt und passt nicht mehr richtig zusammen nach X-mal zerlegen. Obendrein ist das Ganze ziemlich umständlich. Dazu kommen dann noch die komischen Plastikstöpsel die nur halb Schraube sein sollen - oder können? Daher werden die vorderen Scheinwerfern und der erwähnte Kunststoffdeckel über dem Lufi meiner Grizzly nur noch mit Kabelbindern zusammengehalten.

Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem blauen Bär. Er gehört in seiner Klasse zu den Leichtgewichten, lässt sich mit der Servolenkung ermüdungsfei über jede Piste prügeln und ist im Fahrverhalten gutmütig und ohne Überraschungen. Der Schutz für die A-Arms hinten und vorne ist bei den 700er und 550er Modellen für 2009 vergrößert worden. Aufgrund der gestiegenen Spritpreise spielt der Verbrauch der Grizzly im Tageseinsatz ebenfalls eine Rolle. 10 - 11 Liter Benzin nimmt sich der Bär auf 100 km Fahrstrecke im Drittelmix. Im Renneinsatz kommen nocheinmal zwei bis maximal drei Liter dazu. Für die Beanspruchung und abgerufene Leistung ist das ok.