QUADjournal

Yamaha Quad: YFZ 450R - meine persönlichen Fahreindrücke

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Eines muss man Yamaha lassen. Die halten dicht wenn es um Quad Neuvorstellungen geht. Und zwar so dicht, dass es im Vorfeld deshalb auch nur Spekulationen über das neue Yamaha ATV oder Quad gab. Doch der Reihe nach.

Wie viele andere Hersteller auch, präsentierte Yamaha sein Quad Modell YFZ 450 2009 zu Beginn der Saison 2008. Die lang erwartete Einspritzung - Fehlanzeige. Echte Neuerungen - gabs auch nicht. Also doch warten bis nächstes Jahr. Schade. Aber dann. Die Einladung zu einer Yamaha Fahrzeugneuvorstellung liegt auf dem Schreibtisch. Und schon geraten die grauen Gehrinzellen in Bewegung. Ist es eine Wolverine 700 4×4 oder eine Raptor 700 mit Einzelradaufhängung? Oder doch was ganz Großes? Alles falsch. Als ich zwei Tage vor dem Abflug erfahre, dass Max Freund mit in Bordeaux bei der Präsentation dabei ist, ahne ich es. Es ist ein Quad Sportler. Aber halt. Die neue Y`zel Modell 2009 ist doch schon überall zu sehen. Mir bleibt, auch wenn es schwerfällt, nichts anderes übrig als abzuwarten.

Bordeaux 17:30 Uhr. Das große Tor in einer alten Lagerhalle fällt ins Schloß. Die Präsentation beginnt. Unter ohrenbetäubenden Lärm gibt jemand hinter dem Vorgang mächtig Gas. Unverkennbar eine Y`zel. Und tatsächlich. Die bekannten französischen Yamaha Quadpiloten Grègory Lassaigne und Romain Couprie fahren noch in künstlichen Nebel gehüllt jeweils eine neue YFZ 450R herein. Es sind die ersten Quad Vorserienmodelle überhaupt. Sie sind derart rar, so erfahre ich, dass die amerikanische Fachpresse erst einige Wochen nach uns den Genuss haben wird die neue 450R fahren zu können.

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Was ist also wirklich neu an der neuen YFZ 450R? Auffällig sind sofort die beiden dicken Dämpfer mit Ausgleichsbehälter an der Vorderachse. Voll einstellbar in der Zug- und Druckstufe. Bei letzterer auch im High- und Lowspeedbereich. Die Ölmenge im Dämpfer ist vergrößert worden. Damit stieg der Durchmesser der Kolben aber auch das Gewicht an der Front des neuen Quads. Um einen Ausgleich zu schaffen wurde der externe Öltank der alten 450er in den unteren Motorraum integriert. Die neuen längeren A-Arms sind durch die schmalere “Mitte” möglich geworden. Insgesamt ist das Quad jetzt breiter unterwegs. 50 Inch (127 cm) wären maximal nach den US-MX-Regularien möglich. Yamaha hat sich mit 48,8 Inch (124 cm) begnügt. Sicherlich auch im Hinblick auf die vielen US-Cross Country Racer, die auf ihren teilweise baumreichen Strecken ein eher schmaleres Quad bevorzugen. Im massiven und neuerdings geschraubten Alurahmen sitzt der überarbeitete neue 450er Motor. Er hat statt der alten Verdichtung von 11,4.1 eine höhere Verdichtung von 11,6:1 und arbeitet nun mit der so lang erwarteten Einspritzanlage. Hauptaugenmerk bei der Neukonstruktion lag vor allem auf dem unteren und mittleren Drehzahlbereich. Hier soll die 450R jetzt mehr Druck machen. An den Fahrerkomfort wurde auch gedacht. Die Sitzbank ist rutschfester und breiter im hinteren Bereich. Die Polsterung ist verstärkt. Das ach so schwere Daumengas der alten YFZ 450 ist bei der neuen R Geschichte. Der Pro Taper Lenker lässt sich vierfach in der Position auf der Lenkstange verändern.

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Wie fährt sie sich also die YFZ 450R mit all ihren Neuerungen? Die EFI ist sofort spürbar - und das noch bevor man losgefahren ist. Haben früher Ungeübte die YFZ 450 anfangs x-Mal abgewürgt gibt sich der neue Motor beim Kuppeln seidenweich. Das leichtere Daumengas findet ebenfalls sofort Freunde. Weniger erfreulich ist das Testwetter. Es schüttet seitdem wir den Bus verlassen haben. Der Track gleicht in kürzester Zeit einer Schlammsuhle. Meine Gruppe ist zum Fahren dran. Die Sicht ist bereits nach drei Kurven total weg. Die Brille gewährt keinen Durchblick mehr. Insgesamt vier Runden schaffe ich auf dem anspruchsvollen Kurs mi dem Test Quad. Dann gehts wieder in die Boxengasse. “Hat keinen Sinn”, entgegne ich den fragenden Yamaha Technikern während ich Richtung Kärcher zum Abspritzen meiner Montur gehe. “Jetzt einen ersten Fahreindruck wiederzugeben wäre nicht fair”. 

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Es klart am Nachmittag endlich auf. Die Sonne lässt sich blicken und der Motocrosskurs trocknet langsam ab. 6 Stunden nach meinem ersten Versuch sitze ich wieder auf einer der neuen YFZ 450R. Die Klamotten sind immer noch feucht, die Crossstiefel quitschen feuchtfröhlich vor sich hin - egal. Jetzt gilts. Der Kurs ist gespickt mit Sprüngen, steilen Auf- und Abfahrten. Für die erste Runde lasse ich es noch zur Gewöhnung an das neue Quad langsam angehen. In der zweiten Runde soll die Federung zeigen was sie kann. Ich nehme nach einer 180 Grad Kurve Anlauf. Schön zieht die 450er im ersten und zweiten Gang nach vorne. Weniger ruppig als die Vorgängerin doch kräftiger und ohne dass man den Motor an den Ohren packen muss. Ich springe an der Kante ab und halte vor der Landung die Luft an - ich weiß nicht was kommt. Schließlich bin ich durch meine Grizzly 700, deren Einzelradaufhängung und WP-Dämpfern verwöhnt. Doch die R setzt weich auf. Um jedoch ein abschließendes Urteil zu fällen und den völligen Verzicht auf Aftermarketprodukte zu proklamieren warte ich lieber auf unseren kommenden ausführlichen Test bei dem auch das Set-Up des öfteren verstellt werden wird. Doch der erste Eindruck mit der gefahrenen Grundeinstellung ist positiv.

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In den Kurven liegt die 450er gut in der Hand. Kipptendenz nicht vorhanden. Die größere Breite macht sich deutlich bemerkbar. Die Knie- und Beinfreiheit ist klasse. Der Sitzbezug bietet auch bei Nässe und Schlamm - das einzige wirklich verlässliche Ergebnis aus dem ersten Turn am Morgen - noch genügend Halt.  Jetzt bei trockenen Verhältnissen bleibt er aber mit seinem neuen Bezug rutschig genug um flink das Gewicht in die Kurven  zu verlagern. Inwieweit der neue kratzfeste Kunststoff an den Seiten jedoch kratzfrei bleibt, das warte ich lieber ab. Bei der neuen Quad Sitzbank ist ordentlich gearbeitet worden. Unter dem Polster merkt man beim In-die-Kurve-lehnen nicht mehr die Kunststoffränder.  Durch den großen Negativfederweg, die dicken Dämpfer und den langen Federweg klebt das Quad bei den Buckelpassagen förmlich am Boden und lässt sich damit gut kontrollieren. Zu keinem Moment auf der Strecke wirkt die Yamaha nervös. Die speziell für die YFZ 450R von Dunlop konzipierten Reifen hinterlassen bei mir einen guten Eindruck. Sie bringen beim Beschleunigen die Motorkraft ordentlich auf den Boden. Beim Anbremsen in den Kurven gibt sich die R ähnlich souverän. Die drei Scheibenbremsen haben das Quad im Griff. Nur wenig Druck ist mit dem Finger auf den Bremshebel für die vorderen zwei Scheiben nötig, um eine Reaktion zu spüren. Die hintere Wavescheibe ist knackig. Auch hier genügt ein Antippen. Stahlflexleiteungen sind leider keine verlegt worden. Die breiten und aggressiven Fußrasten bieten auch einem verschlammten Crossstiefel viel Fläche zum Festkrallen.

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Trotz des schlechten Wetters waren immer wieder Fahrer mit den Testmaschinen auf der Strecke. Profis wie Max Freund, Romain Couprie und Grègory Lassaigne haben die R mehrfach in halbstündigen Turns über die Piste geprügelt. Der Drehzahlbegrenzer war immer wieder zu hören. Ab dem Nachmittag bis 20 Uhr stand keines der Testquads auch nur länger als fünf Minuten still. Es reichte gerade zum Auftanken, schon war die 450R wieder unterwegs. Ausfälle, und das trotz Schlamm über und über auf dem Quad (siehe Film), gab es nicht. Den Kühler der verschlammten Quads habe ich mir mehrfach angesehen. Durch die dicken Dämpfer und den schmalen vorderen Alurahmen sowie Lenksäule bleibt der Kühler etwa zu einem Drittel ohne jeglichen Treffer. Nur an den beiden jeweils äußeren Rändern war das braune Etwas auszumachen. Von zugesetzt kann aber keine Rede sein. Lediglich der linke Griffgummi - und bei fast allen Testquads nur der - musste mit einer Säuberung und anschließendem Draht wieder befestigt werden.

Mein erstes Fazit:

Die neue YFZ 450R ist gelungen. Auch ein “Nicht-Europameister” kommt mit ihr sehr gut zurecht. Sie ist weder bockig noch zerrt sie wie wild an den Armen. Die Kombination aus Motor mit Einspritzung, Fahrwerk, Bremsen und Komfort passen hundertprozentig zueinander. Dass bei der Entwicklung ein gewisser Bill Ballance, 8-facher US GNCC-Meister, sein Händchen im Spiel hatte ist deutlich spürbar. Das neue Sportquad ist nocheinmal bedienerfreundlicher und komfortabler auch für lange Enduroeinsätze geworden. 

Acht Kilo hat die neue allerdings gegenüber der alten YFZ 450 zugelegt (vorher 176 kg, jetzt laut Werkangabe mit allen Flüssigkeiten 184 kg). Gemerkt habe ich das aber nicht unterwegs auf der Strecke. Nass (Vollgetankt und mit allen anderen Flüssigkeiten) wiegt die Hauptkonkurentin KTM XC 450 178 kg (Angabe mit Öhlins Dämpfern).