QUADjournal

Grizzly Tagebuch: Das Ende einer Dienstfahrt - 26.10.08

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Es ist schon eine Weile seit meinem letzten Grizzly Tagebucheintrag her. Das GCC-Finale in Schefflenz mit der Meisterschaftsfeier, im Anschluss danach vier Tage hintereinander Intermot und bei tollen Herbst-Wetter viele weitere Filme in der letzten Woche gedreht - noch kurz bevor die Schmuddelwetter Saison einsetzt. Es ist Wochende und ich habe endlich ein wenig Zeit die Saison mit dem Yamaha Bären Revue passieren zu lassen. Die Grizz wartet übrigens nach der Schlammschlacht in Schefflenz immer noch auf eine ordentliche Dusche - auweia.

Zur GCC. Sieben Rennen hat mein blauer Bär einigermaßen schadlos überstanden. Am Ende sprang der Vize-Meistertitel in der ATV-Klasse heraus. Doch darüberhinaus und das ist für die nächste Saison wichtiger: Ich habe viel Erfahrung gesammelt und viele nette Leute aus der Rennsportszene kennengelernt.

Gibt es Schwächen bei der Grizzly? Einige meiner GCC-Mitstreiter wechselten die Antriebswellen wöchentlich, andere gar nicht wie ich auch. Die Fahrweise macht es also und  die Grizzly generell wegen Schäden an Antriebswellen zu verdammen wäre falsch. Besonders bei den Sprüngen sollte man tunlichst vermeiden im Moment des Aufsetzens Gas zu geben. Das geht ein paar Mal gut, dann aber verabschiedet sich das Material an den Sollbruchstellen um größere Schäden am Getriebe zu vermeiden.  Meiner Meinung nach gewinnt man bei den Sprüngen nicht viel Zeit - das gilt nur für die ATVs. Ein gut eingestelltes Fahrwerk ermöglichte mir auf den oftmals ausgebombten GCC-Strecken wesentlich mehr Zeit aufzuholen als weite und obendrein riskante Sprünge. Das Standartfahrwerk der Grizzly ist nicht von schlechten Eltern. Für ein GCC-Rennen ist es aber vor allem vorne zu weich konstruiert. Bei Sprüngen kann man beim Aufsetzten mit der Standard Federhärte hinten leben aber bei schnell gefahrenen Bodenwellen schaukelt sich das ATV einfach zu stark auf. Der Fokus der Yamaha Ingenieure lag bei der Wahl der Federhärten und der Dämpfung auf hohem Komfort und bei gemäßigter sportlicher Fahrweise. Die GCC ist da eher falsche Einsatzort.

Wichig  beim Thema Fahrwerk ist nicht nur ein Markenprodukt zu verwenden, sondern auch den Support des Profis bezüglich Einstellung in Anspruch zu nehmen. Verwendet habe ich ein Fahrwerk der Firma WP-Suspension. Viele Testrunden waren nötig, um ein für mich und meinen persönlichen Fahrstil passendes Set-Up zu finden. Je nach Streckenbeschaffenheit wurde das dann bei den einzelnen Rennen leicht abgeändert. Die Verstellmöglichkeiten der Dämpfer, sprich Zugstufe, High- und Low-Speed sind nur die eine Seite der Medallie. Die Innereien des Dämpfer, die Schims (kleine Scheiben mit variablen Durchmessern und Materialstärken, die das Öl im Dämpfer schneller oder langsamer fließen lassen und damit für eine unterschiedlich harte oder eben weiche Dämpfung sorgen) sollten vom Fachman an das fertige Fahrzeuggewicht (vollgetankt, Fahrer mit Rennkleidung) angepasst werden. Erst das Zusammenspiel von Testen und die Dämpfer entsprechend einstellen ergeben am Ende ein Fahrwerk von dem man sagen kann, dass es für statt gegen den Fahrer arbeitet. Gerade im Hinblick auf die nächste Quad und ATV GCC-Saison 2009 ist das nocheinmal wichtiger geworden. Satt der einen Stunde wird 2009 eineinhalb Stunden gefahren und das auf den gleichen ausgefahrenen Pisten wie 2008.

Doch zurück zur Grizzly. Anfangs, bei der Präsentation der Grizz mit Servolenkung, war die Frage noch: Wer braucht sowas? Nach fasst einem Jahr im Renn- und Redaktionseinsatz möchte ich die Lenkunterstützung nicht mehr missen. Und  das viele andere das auch meinen, zeigt die Fülle an neuen ATVs von Polaris, Honda und Suzuki die mit eben dieser Lenkunterstützung im Modelljahr 2009 auf den Markt kommen. Hält das neue Yamaha Gimmick was aus? Ja, das tut es. Schon beim 12 Stunden Rennen am Tropical Island in der Nähe von Berlin zeigte sich wie kräftesparend ein solches System sein kann. Die Ardennenfahrt in Belgien und die unzähligen Trainingsrunden auf Crosspisten für die sieben GCC-Einsätze konnten der Servolenkung nichts antun. Das gleiche Ergebnis bei den anderen Grizzly 700, die bei der GCC zum Einsatz kamen und die Meisterschaftsplätze eins bis drei belegt haben.

Und was mochte ich noch an dem Bären? Zum einen der moderate Verbrauch - und das auch im Renneinsatz. Im Schnitt gingen bei normaler Fahrt 10 Liter, beim Rennen 13 - 14 Liter durch den Vergaser. Durch ihr geringes Leergewicht, der sehr guten Gewichtsverteilung und dem insgesamt einfachen Handling ist die Grizzly gleichermaßen für den Freizeiteinsatz und für sportlicheres Fahren hervorragend geeignet. Für Spielereien im Matsch gibt es einen zuschaltbaren Allradantrieb, eine Untersetzung und eine zuschaltbare Differentialsperre an der Vorderachse - letztere ist nur im Fahrzeug Stillstand zu akti-  oder deaktivieren. Alle Systeme haben mich noch nicht im Stich gelassen.

Was mochte ich nicht an der Yamaha Grizzly? Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Durch den Renneinsatz musste ich häufiger als gewöhnlich den Luftfilter reinigen. Der Zugang dazu ist etwas beschwerlich, da einige Verkleidungsteile abgenommen werden müssen. Zusammengehalten werden die mit Plastiksteckerchen. Spätestens beim dritten Säubern waren diese Steckverbindungen nicht mehr einsatzfähig bzw. haben sich beim Rennen auf der Strecke verabschiedet. Kabelbinder sorgten danach für einen festen Halt. Gleiches Bild bei den Scheinwerfern. Die Steckverbindungen haben sich hier auch nach und nach gelöst. Trotz Nachbesserung durch Kabelbinder habe ich einen Scheinwerfer einmal ganz verloren und nach Schefflenz hing er kurz vor dem Tschüss-Sagen noch so eben am ATV. Echte Schraubverbindungen wirken Wunder. Scheinwerfer Nummer zwei hatte die nachträglich bekommen und überlebte so die Schlammschlacht in Schefflenz unbeschadet. Zugegebener maßen, meine Grizzly musste andere Belastungen im Wettbewerb aushalten als normalerweise. Trotzdem. Die Sache mit der Befestigung der Verkleidungsteile und der Scheinwerfer sollte man bei Yamaha überdenken. Die von mir nachgerüsteten Maxxis Sur Trax Reifen haben mich nur in Schefflenz mit ihrem Seitenhalt bei dem vielen Schlamm nicht überzeugt. Zu haltlos driftete das ATV bei den vielen Kurven nach außen. Erst als die Strecke etwas abtrocknete gings wieder. Der Vorwärtstrieb war ok.

Kurz vor dem Winter geht meine Grizzly, nach dem Säubern, zur großen Inspektion und führt dann ein beschaulicheres Leben. Sozusagen, das Ende einer Dienstfahrt. Für 2009 setze ich dann ein anderes ATV ein und werde ich gleicher Weise darüber berichten wie sich das Fahrzeug schlägt und ob die Veränderungen etwas bringen. Im November sollte die Marke und das Modell dann entgültig feststehen.