Ardennenfahrt die Erste - Bohan

Auf einen rund 105 Kilometer langen Rundkurs ging es bei der ersten Ardennenfahrt in Bohan am 21. März durch die wunderschöne Natur der Ardennen in der Nähe des Flusses Semois. Die Bedingungen konnten nicht besser sein. Von oben Sonne und von unten (zumindest stellenweise) ordentlich Matsch.
Waren in den Jahren zuvor noch 800 oder gar 1200 Teilnehmer unterwegs, ist die Anzahl der Quads und ATVs auch auf der Ausfahrt rund um Bohan mittlerweile aus Umweltschutzgründen auf 300 reglementiert worden. Die Papierabnahme brachte man schnell und unkompliziert hinter sich - auch wenn man kein Französisch sprach. Die vorherige Anmeldung ging online von statten. Neben der grünen internationalen Versicherungskarte, dem Fahrzeugschein wurde nur kurz ein Blick von der dortigen Gendarmarie auf den Personalausweis geworfen. Fertig. Und schon ging es nach einem kurzen belgischen Frühstück auf die Strecke.
Fahrer und Sonne strahlten was das Zeug hielt. Letztere war besonders herzlich willkommen, da die morgendlichen Temperaturen bei lauschigen minus 3 Grad lagen. Sehr diszipliniert fuhren die vielen Pulks oder Einzelfahrer auf der Strecke - gelegentliches Gasgeben war natürlich Pflichtprogramm. Vor allem am Morgen hatte die Forstverwaltung, unterstützt von mobilen Polizeieinheiten, ein wachsames Auge auf die “Quadverrückten”. Bis in den tiefsten Waldabschnitt kämpfte sich gar ein 4×4 Kastenwagen der Gendarmarie durch. Belohnt wurde das Wagnis allerdings nicht. Ein Plattfuß musste gewechselt werden - nächstes Jahr dann doch vielleicht besser Kontrollfahrten mit einem blau weißen Quad.
Die Ausschilderung war noch am Morgen sehr gut, auch wenn man berauscht von der tollen Landschaft an dem ein oder anderen gelben bzw. orangen Pfeil vorbeidonnerte. Die durchweg freundliche (Wald-) Bevölkerung winkte einen dann aber wieder zurück und brachte die Verirrten auf den richtigen Weg. Die vielen Spuren von Quads und das Grinsen in den Gesichtern der ortskundigen zeugten davon, dass das stellenweise keine Einzelfälle waren.
Dann der Schreck beim vorausfahrenden Kameramann. War die Tour mit 90 km ausgeschrieben, zeigte der Tacho bereits 120 km an (ja, auch ich habe mich ein paarmal verfahren) und die Tankuhr, dass das ATV nur noch mit heißer Luft unterwegs ist. Man hätte doch randvoll tanken sollen. Dann gleich der zweite Schreck. Auf der Schleichfahrt bis zum vermeintlichen Ausgangspunkt der Tour kamen mir zwei belgische ATVs entgegen. Wer war jetzt falsch? Beide Parteien. Mit dem bisschen Sprit auch noch ordentlich verfranzt. Na toll. Ich deutete den beiden Belgiern an, dass ich fast restlos leergefahren war. Was nun? Zum Glück kreuzte ein ortskundiger Fahrer auf, schloß sich unserem versprengten Häuflein an und führt alle sicher zurück nach Bohan - der Kameraman betete mittlerweile, dass seine Grizzly nicht liegen bleiben möchte. Denn so ein rund 300 kg schweres Gefährt durch die belgischen Wälder zu schieben ist kein Spaß. Und die nächste Tankstelle war meilenweit entfernt. Gebetserhörung. Mit ersten Motoraussetzern, Stotterern und Auspuffknallen erreichte die Grizzly das “Servicefahrzeug”. Endlich der lang ersehnte volle Ersatzkanister Sprit. Das war knapp. Puh.
Kurze Trinkpause. Die Grizzly füllte ich jetzt vor der zweiten Runde randvoll - hähähh. Das Mittagessen ließ ich ausfallen. Hatte meine Essensbons irgendwo draußen beim Filmen verloren. Ok. Wollte ja sowieso ein wenig abnehmen. Den Rucksack mit der Kameraaussrüstung tauschte ich gegen den Trinkrucksack - auch der war randvoll gefüllt. Und auf gings zur zweiten Runde. Musste ja noch ein wenig für die GCC trainieren. Gute vier Stunden war ich am Morgen unterwegs gewesen. Jetzt müsste es eigentlich wesentlich schneller gehen.
Die anfänglichen Steigungen und Kurven waren mir noch aus der ersten Runde vertraut. Doch dann fehlten plötzlich die vertrauten Richtungsangaben. Hatte ich mich erneut - und das auch noch gleich zu Beginn der Runde - verfahren? Ich fuhr jetzt wie ein Spurenleser den Reifenspuren auf dem Waldboden hinterher. Plötzlich zwei ATV-Fahrer, die die Richtungspfeile von den Bäumen abrissen. Grüne Aktivisten? Nein, sondern das waren die Streckenmarshalls, die so spät mit keinem weiteren Fahrer mehr gerechnet haben und bereits die Strecke wieder “demontierten”. Mit Zunicken passierte ich die beiden und drehte jetzt ordentlich am Gas. Ah, endlich sah ich wieder die vertrauten Richtungsangaben - auch wenn einige schon ziemlich mitgenommen waren oder am Boden lagen. Ich genoß das sonnige Wetter, das höhere Temperaturen mitgebracht hatte. Rauf und runter ging es durch die dunklen Nadel- und hellen Laubholzwälder. Herrlich. Nach einer guten Stunde schloss ich zum ersten Mal auf eine Gruppe Quadfahrer auf. Einer davon war wohl ein wenig übermütig. Seine Raptor sah ordentlich verformt aus. Quasi vom Baum geküsst. Aus dem Mischmasch aus Englisch, Deutsch und Französisch entnahm ich aber, dass der Fahrer ok und mit dem Schrecken davon gekommen war. Der restliche Teil seines Haufens machte sich an die Bergung des Quads zur nächstgelegenen Straße während ich wieder weiterfuhr. Hie und da überholte ich jetzt Nachzügler. Nach zwei Stunden - ich hatte an einer Stelle 5 Kilometer abgekürzt - lief ich wieder in Bohan ein. Ein freundlicher Streckenmarshall setzte sich für mich beim Küchenpersonal für eine warme Mahlzeit ein. Mit Erfolg. Jetzt bekam ich doch noch die leckeren belgischen Pommes. Merci et au revoir Bohan. Bis nächstes Jahr.
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