XP-Tagebucheintrag 1
Nur noch wenige Tage bis zur GCC (German Cross Country) Runde eins in Tollwitz. Die von mir in diesem Jahr eingesetzte Polaris XP 850 EPS ist auch (fast) fertig für das große Debut. Ich bin gespannt wie wir im Rennen zurechtkommen werden.
Hauptziel für die sieben Rennen der GCC war es für mich das Gewicht der XP 850 zu senken - ohne dabei zu sehr in die Optik der Polaris eingreifen zu müssen. Zulassungsfertig und aufgetankt wiegt sie (mit EPS) immerhin 395 kg. Plus Fahrer und Gerödel fliegen dann schon fast eine halbe Tonne an Gewicht durch die Kiesgrube.
Durch das Weglassen der Straßenumrüstung sowie dem Bordwerkzeug und der Betriebsanleitung waren die ersten 5 kg eingespart. Das von mir eingesetzte Modell XP ist mit der neuen Servolenkung ausgestattet. Sie arbeitet bei den bisherigen Tests auf der Crosspiste und im Gelände ohne Probleme und spart eine Menge an Muskelkraft bei geringen bis mittleren Geschwindigkeiten. Doch das EPS bringt nicht nur Vorteile. Ein Gewichtsplus von satten 5 kg auf der Vorderachse verursacht sie auch. Also wieder Ausgleich in Sachen Gesamtgewicht.
Um die XP vor allem vorne doch noch ein wenig abzuspecken, lasse ich deshalb den Front-Gepäckträger beim Rennen weg. Der wiegt samt Gestänge immerhin 3,5 kg. Dazu noch 0,5 kg Frontscheinwerfer und 1,3 kg Arbeitsscheinwerfer samt Tachoeinheit und Befestigungsmaterial. Der montierte Flexx Lenker, gestellt vom Fasst Flexx Deutschland Importeur RMX-Racing, bringt dann allerdings wieder 0,5 kg mehr als der Originallenker. Es bleiben also netto vorne noch 4,8 kg an Ersparnis übrig. Gar nicht übel für den Anfang.
Das größte Problem waren jedoch die Reifen. Und das in dreifacher Hinsicht. Die Originalreifen laufen gut auf der Straße, doch im Gelände fehlt des vor allem denen auf der Hinterachse an Traktion. Zu stark drehen sie beim Gasgeben durch. Dann noch die Größe und natürlich das Gewicht. 14 Zöller sind momentan noch dünn auf dem deutschen Markt gesät. Wenn dann gibt echte Mudreifen - die aber mit umwerfendem Gewicht. Fündig geworden bin ich schließlich beim Maxxis Reifenimporteur VBW-Tires. Sie haben die (”alten”) Big Horns -bald auch die etwas leichteren neuen - in 14 Zoll auf Lager.

Bild: links Carlisle Terrathon, rechts Maxxis Big Horn
10,8 kg wiegt der vordere und 12,5 kg der hintere Big Horn. Wegen der Breite von 11 statt wie original 10 Zoll wäre an den beiden Hinterrädern jeweils ein Spacer (pro Distanzplatte 1 kg) notwendig geworden, damit die Reifen an dem Stabilisator der XP problemlos vorbeilaufen können. Mit einem Schlag hätte die 850er so wieder 9,6 kg zugenommen. Nicht akzeptabel für mich. So blieb nur Versuch macht klug.
Vorne behalte ich die originalen leichten Terrathon Reifen - 9 kg pro Stück. Hinten ist der “kleinere” Big Horn Vorderreifen montiert. Er hat das gleiche Gewicht wie der originale Terrathon Hinterreifen. Und die ersten Fahrversuche mit dieser Kombination waren positiver als erwartet. Die XP läuft wesentlich spurtstarker durch die höhere Traktion, die etwa 2,5 cm geringere Breite der Big Horns gegenüber dem originalen Terrathon Reifen hinten fällt nicht ins Gewicht. Sauber kann man die XP durch die Kurven im Gelände zirkeln. Der Big Horn walkt bei Kurenbelastungen nicht so stark. Das Fahrzeuggewicht ist obendrein neutral geblieben.

Bild: Gegenüberstellung montierte Maxxis Big Horn 26×9-14 an der Hinterachse (immer rechts im Bild), oben die originalen Carlisle Terrathon 26×10-14 und unten die Maxxis Big Horn 26×11-14 zum Vergleich.
Um die Polaris XP 850 auch hinten ein wenig abzuspecken habe ich aus dem Gepäckträger die beiden Metallhalterungen entfernt. Die bringen 3,5 kg Gewichtsersparnis. Würde man den kompletten Gepäckträger weglassen sind die Kunsstoffteile über der Hinterachse zu labil und würden definitiv mit einigem anhaftenden Kilogramm Schlamm irgend wann abbrechen. Deshalb verbleibt der eigentliche Gepäckträger. Ein Ersatz aus entsprechend starker PVC-Platte war angedacht aber wegen dem Arbeits- und Kostenaufwand wieder verworfen worden. Vom Gewicht her bringt das PVC auch keinen Vorteil. Obendrein behält die XP mit dem originalen Gepäckträger ihr typisches Aussehen.

Bild: Metallhalterungen des hinteren Gepäckträgers an den Originalstellen liegend, an denen sie normalerweise unsichtbar unter dem Träger befestigt sind.
Als letztes geht es der Batterie an den Kragen. Fast 10 kg wiegt das gute Teil. Polaris will so auch denjenigen, die Winden vorne und hinten, Schneepflug und andere nützliche Gimmiks an ihrer XP anbringen immer mit genügend Batterieleistung versorgen. Vor allem dann, wenn auch noch gleichzeitig alle Scheinwerfer in Betrieb sind. Fürs Rennen braucht man jedoch eine solche E-Power nicht. Hier reicht eine kleinere Batterie, die wieder viel Gewicht einspart. Sobald sie eingetroffen und verbaut ist, werde ich berichten. Wenn alles klappt, bringt diese Maßnahme noch einmal 5 kg Gewichtsersparnis.
Alles zusammen sind somit rund 13 kg (inklusive kleinerer Batterie) der XP abgerungen. Mancher fragt sich sicherlich spätestens jetzt, ob sich der ganze Aufwand lohnt? Die Antwort: Ganz bestimmt. Der Unterschied bei den Testfahrten auf der Crosspiste war auch mit den bisherigen 8 kg Einsparung definitiv zu spüren - vor allen die paar Kilo vorne. Je leichter die Polaris dann noch durch den fortschreitenden Spritverbrauch ist desto spritziger wird sie. Der Verbrauch im noch nicht eingefahrenen Zustand entspricht etwa dem meiner Grizzly aus dem letzten Jahr. Als Anhalt: Etwa 13 Liter pro einer Stunde Renneinsatz.
Die XP lässt sich im Vergleich zu meiner im letzten Jahr eingesetzten Yamaha Grizzly wesentlich spurstabiler fahren. Die Grizzly, die ich zur ersten Ardennenfahrt in Bohan mit dabei hatte ist nach zwei Wochen XP Gewöhnung sehr viel nervöser zu fahren. Dort wo die XP mit stoischer Ruhe drüberbügelt gibt sich der Bär zickisch. Allerdings gefällt mir die Servo bei höheren Geschwindigkeiten bei der Grizzly immer noch besser. Sie ist einen Tick ausgeglichener. Dann der Gewichtsunterschied. Am deutlichsten merkt man ihn beim Abbremsen. Die Grizzly lässt sich mit leichtem Druck auf die Hebel abfangen. Bei der XP muss man schon heftiger reingreifen - um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Die vier großen Scheiben der Polaris beißen hervorragend. man sollte jedoch immer ihr Gewicht im Hinterkopf behalten und entsprechend voraussschauend fahren.
Im nächsten Tagebucheintrag werde ich natürlich neben der Rennberichterstattung das Technoflex Fahrwerk im Vergleich zum originalen vorstellen, sowie dass, was wir mit der Bremsanlage angestellt haben und wie es sich “Race proofed”"ausgewirkt hat.






