QUADjournal

XP 850 Tagebucheintrag 4

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Sonneberg. Der Neuling in der diesjährigen GCC-Rennserie bot die etwas andere Strecke als gewohnt. Sanft geneigte riesige Wiesenhänge mit einem Kleinwaldanteil. Gehofft hatte ich daher auf schöne lange Abschnitte, bei denen die Polaris XP 850 endlich einmal ihr volles Leistungspotential entfalten könnte doch es kam anders - wie so oft.

Bilder: Kai Wendt

 

Sonneberg. 7.00 Uhr. Leichter Wind, Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Die XP steht zum Einsatz bereit.

Nach Lauf Nummer 2 Walldorf gab es für den GCC-Panzer noch zwei Updates. Das Technoflex Fahrwerk, wurde vor allem in den Dämpfungsmöglichkeiten nach Sprüngen, gepimpt. Die XP ist jetzt da wo ich sie entsprechend meinem Fahrstil haben wollte. Sanfte Landungen nach Sprunghügeln sind jetzt garantiert. Buckelpisten sind beim Überbügeln eine wahre Wonne und das trotz eines Lebendgewicht inklusive Fahrer von 480 Kilogramm, die durch die Landschaft pflügen. Die zweite Veränderung an der Polaris war im Gegensatz zu den Maßnahmen der Gewichtsersparnis eine Gewichtszunahme am Heck von 2,3 Kilogramm. Ich hatte am Heckgepäckträger die beiden unterstützenden Bügel entfernt. Das waren immerhin über 3 Kilogramm. Im Verlauf des Trainings und der bisherigen Rennen stellte sich aber heraus, dass das verbleibende Kunststoffgerüst des Gepäckträgers alleine nicht stark genug ausgelegt ist - im wahrsten Sinne des Wortes -die Belastungen zu tragen. Daher ist zumindest der gößere Bügel wieder an Bord der XP 850.

Das Rennen selbst. Anfangs lief es für mich nicht ganz so gut. Trotz Klasse Sprint nach dem Startsignal zu den stehenden ATVs läuft die XP nicht an. Irgendwie habe ich den modivizierten Startknopf mit den Handschuhen nicht richtig erwischt. Zwei lange Sekunden vergehen - eine Ewigkeit, so scheint es mir - bis der Zweizylinder blubbert und die XP mich Richtung erste Kurve katapultiert. Ich bin auf vierter oder fünfter Position. Hier dann gleich die zweite Panne des Tages. Es sollte die letzte sein, aber die entscheidende für den Rennausgang, wie sich später zeigen sollte. Aufgrund meiner “Verspätung” beim Start muss ich mich in den fließenden Verkehr einordnen, werde aber in der Hektik des Renngeschehens stark abgedrängt und komme vor einem Eckpfosten gerade noch zum Stehen. Die Jungs in Sonneberg haben teilweise an den Kurven effektive Maßnahmen getroffen, dass die Pfähle eben nicht, wie so oft im Renngeschehen, umgefahren werden. Massivere Holzpfosten halten das Flatterband dort wo es sein soll. Ein Überfahren dieser Pfähle hätte ein sehr wahrscheinliches Aus für das Fahrzeug zur Folge gehabt. Also krallen sich meine Hände in die Bremshebel. Die Abdrücke der Fingernägel sind immer noch sichtbar. Ein Aufprall bleibt zum Glück aus, doch ich bin auf Position zehn zurückgefallen. Rückwärtsgang rein. Rückfall auf Position 12. Rückwärtsfahren. Position 14. Umschalten auf Vorwärts und wieder Anfahren. Position, äh… Ich bin mittlerweile das Schlusslicht im Feld der 17 ATVler. So hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Schwamm drüber, ist eh nicht zu ändern. Dann eben Aufholjagd.

In der ersten Runde kann ich mich auf Position 13 vorschieben. Noch ein paar Runden und Position 6 ist erreicht. Wie so oft in den GCC-Rennen werden auch die Führenden in meiner Klasse immer wieder durch langsamere Fahrer aus dem Quadstarterfeld aufgehalten. Dennoch fehlen mir auf die Spitze durch meinen unplanmäßigen Stop ettliche Sekunden. Sind die ersten Positionsverbesserungen quasi im Rundentakt erfolgt wird es jetzt, je weiter ich mich nach vorne arbeite, wesentlich schwieriger Boden auf die noch vor mir liegenden Fahrer gutzumachen. Durch das KleinKlein Gekurve auf den Wiesenhängen kann ich die Leistungsvorteile der XP einfach nicht ausspielen. Aus der Kurve heraus braucht es halt ein wenig bis mein Polaris Panzer sich in Bewegung setzt. Das tut er zwar nicht langsamer als mein Hauptgegenpart Yamaha Grizzly 700 auch, aber eben auch nicht schneller. Dokumentiert wird das in meinem über fast vier Runden dauerndem Duell mit Nico Wiesel, dem vor mir liegendem Zweitplatzierten in der ATV Klasse. Erst in der elften Runde, nach über einer halben Stunde Kampf komme ich an ihm vorbei. Ich habe endlich freie Fahrt. Was freies Fahren ausmacht zeigt die schnellste Runde in der ATV-Klasse an diesem Tag, die ich jetzt fahren kann. Ganze 11 Sekunden schneller als meine bisherige schnellste Rundenzeit von 6:41 Minuten. Doch freie Fahrt hat auch die Nummer eins, Dirk Peter, vor mir. Da er sozusagen unsichtbar vor mir liegt - ich kann ihn durch die Geländeformation nicht vor mir ausmachen- ist es schwer abzuschätzen ob ich Zeit auf ihn gutmache oder nicht. Im Rennverlauf, auch auf den letzten Runden, ist das ein echter Ansporn und mobilisiert nocheinmal die letzten Kraftreserven. Im Ziel hat er dann einen Vorsprung von 40 Sekunden und fährt verdient den ersten Platz nach Hause.

Die Polaris XP hat mir mit ihrem Technoflexfahrwerk in Sonnberg eine furiose Aufholjagd ermöglicht. Von der letzten Position auf den zweiten Platz vorzufahren lässt mich mit Spannung auf die nächsten GC-Rennen schauen. Hier bevorzuge ich es dann aber lieber gleich zu anfangs vorne im Fahrerfeldes um die Spitzenposition zu kämpfen. Bis in Mernes am 28. Juni.

Weitere Bilder folgen vom Rennen in Sonneberg.