XP 850 Tagebucheintrag 6
An der Racing XP 850 EPS wurde ein wenig gepimpt. Damit der Polaris Panzer gegen die leichten Grizzlys schneller aus den Ecken beschleunigt habe ich Kontakt mit Mister Clutch Kit, Adam Schuhmaker, in den USA aufgenommen.
Foto: Kai Wendt
Doch von Anfang an. Nach meinem Unfall in Torgau ist die Rippenfraktur mit leichter Lungenverletzung wieder fast komplett verheilt. So konnte ich eine Woche vor dem GCC-Rennen in Goldbach die ersten Trainingsversuche auf der Crosspiste unternehmen. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Buckelpiste und Sprünge sind kein Problem mehr für meinen Körper - eher schon die Kondition. Runde 5 in Goldbach wollte ich daher wenigstens mitfahren um einige Punkte für die Meisterschaft zu sichern. Um gegen die starke Konkurrenz der leichten Yamaha Grizzlys noch besser bestehen zu können, habe ich das erste echte Tuning an der XP vornehmen lassen. Die einfachste und zugleich günstigste Möglichkeit der XP mehr Beschleunigungspower geben zu können ist ein Eingriff in das PVT (Polaris Variable Transmission, sonst CVT genannt) sprich Änderung der Fliehkraftgewichte und Federhärten im Automatikgetriebe.
Doch die XP ist ein neues Modell in Europa. Erfahrungswerte geschweige denn entsprechendes Material gibt es bei uns (noch) nicht. Bei der Recherche zur US-Mud-Racing-Szene fiel bei Gesprächen mit meinen Gesprächspartnern immer wieder der Name Adam Schuhmaker in Bezug auf das Pimpen bei Polaris Automatik Getrieben. Mit Adam habe ich telefonisch Kontakt aufgenommen und ihm mein Problem mit der XP geschildert. Zunächst war er ganz erstaunt, dass jemand aus Deutschland anruft. Doch schnell kamen wir locker ins Gespräch. Adam machte einige Vorschläge aus seiner großen Erfahrung mit der XP heraus, welche Gewichte und welche Federn am Besten für ein GCC-Rennen passen würden. Er empfahl, für ein paar PS mehr Motorleistung, auch einen andern Auspuff sowie den damit notwendigen K&N-Filter. Der Einbau dieser beiden Racing Zubehörteile wird erst vor dem Rennen in Mühlhausen (Runde 6 der GCC) abgeschlossen sein.
Zwei Wochen später waren die georderten leichteren Fliehkraftgewichte (es gibt Gewichte die bereits bei 1900, 2400 und 3000 U/min für den Vorwärtsschub sorgen) und Federn mit anderen Härten eingetroffen. Adam vertreibt nicht einfach nur Produkte fürs Mud Racing, er hat sie selbst durch seine jahrelangen Teilnahmen an den populären Matschrennen entwickelt (und verbessert sie fortlaufend weiter). Er fährt für das bekannteste und größte Team der USA. Für das Highlifter Team hat er in vielen Klassen sehr oft die Titel eingeheimst.

Bild: rechts unten die alten, darüber die neuen leichten Gewichte der PVT
Das Polaris Germany Team hat die Teile noch eine Woche vor dem Rennen in meine XP eingebaut. Zwei Tage später habe ich den Umbau dann getestet. Nicht schlecht. Die XP hat jetzt aus den Ecken heraus spürbar mehr Wumms. Da meine Armmuskulatur noch nicht den optimalen Trainingszustand wieder erreicht hatte, musste ich doch die ein oder andere Pause einlegen und die Armmuskeln durch Strechting wieder zu lockern. Das wird aber wieder.
Dann der Samstag Abend in Goldbach. Perfekte Streckenbedingungen für das Rennen am Sonntag. Doch in der Nacht schüttet es wie aus Eimern. Der nächste Morgen präsentierte dann Streckenverhältnisse jehnseits von Gut und Böse. Mudracing war angesagt.
Das Startsignal ertönte und los gings. Doch gleich in der ersten Kurve nach leicht verpatztem Start - die XP sprang erst nach dem zweiten Druck auf den Startknopf an (mein Fehler) - gab es die erste böse Überraschung. Um auf der quischenassen Wiese vorwärts zu kommen war ich mit Allrad gestartet. In der Linkskurve driftete die XP weit nach außen, sodass ich Gas wegnehmen musste. Ich fuhr im Schritttempo !!! gezwungenermaßen die 180 Grad Kehre um nicht die aufgestellten Banden mitzunehmen. Was war denn plötzlich los? Hatte ich das Fahren derart verlernt? Waren es die (neuen!) Big Horns an der Vorderachse, die keinen Halt auf dem schmierseifeartigen Bodenbelag boten? Während ich noch grübelte und von der vorletzten Position ins Rennen ging wiederholte sich das Theater mit dem nach Außendriften bei fast jeder folgenden Kurve. Oh Mann! Ich konnte förmlich zusehen wie ich Meter um Meter auf die Spitze des ATV-Feldes verlohr. Keine Chance dranzubleiben.
Erst eine Runde später dämmerte es mir. Es ist das Allradsystem von Polaris, dass mir in den Kurven zu schaffen machte. Auf den vielen Bergauf-Passagen der Strecke in Goldbach leistete es sehr gute Dienste. Völlig problemlos kletterte ich immer nach oben. Doch in den Kurven… So wie der Polaris Allradantrieb konstruiert ist schaltet er sich immer dann zu, wenn eines der Hinterräder durchdreht. Dann aber werden beide Vorderräder gleich stark angetrieben also eine vollständige Sperrung des Frontdifferentials herbeigeführt. Bei anderen ATV-Marken wie z.B. Yamaha Grizzly oder Suzuki King Quad muss diese Vollsperrung durch Anhalten und Zuschalten bewirkt werden. Ohne diese Zuschalten fahren sie eigentlich technisch gesehen nur mit einem Dreiradantrieb im Allradmodus.
Mein Vorteil beim Bergauffahren mit der XP auf der Goldbachstrecke verwandelte sich in den Kurven zum großen Nachteil - und von den Kurven gab es etliche. Mit gesperrtem Differential vorne schob es den Polaris Panzer weiter nach aus als mit lieb war. Ich schaltete den Allrad deshalb aus. Doch jetzt fehlte er mir bei den Steigungen - und um ihn wieder zuzuschalten musste ich unter eine Geschwindigkeit von 24 km/h gehen. Obendrein darf man dabei auch kurz kein Gasgeben. In einem Rennen ist diese Prozedur denkbar ungeeignet. Nach etwa fünf Runden war endlich eine Fahrspur vorhanden, die einigermaßen fahrbar für die schwere XP auch ohne Allradantrieb war. Ich schätze, dass ich zu diesem Zeitpunkt locker 80 kg Schlamm am ATV zusätzlich mit mir führte. Auf den trockeneren Passagen machte ich endlich wieder Zeit gut. Eine Spitzenposition war allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen. Der Führende Nico Wiesel hatte bereits sieben Minuten Vorsprung auf mich. Uneinholbahr. Ich wolltev wenigstens einige Punkte mit nachhause nehmen und fuhr so gut es eben ging. In der siebten Runde bemerkte ich, dass die XP Probleme beim Gasgeben bekam. D.h. die Power kam irgendwie nicht mehr wie gewohnt auf der Hinterachse an. Eine halbe Runde später hielt ich an, um durch eine Sichtprüfung vielleicht den Grund für das Langsamer werden zu finden. Ich tippte auf den Riemen. Doch kein Qualm oder Geruch von Gummi ließ sich feststellen. Ich fuhr wieder weiter, doch es wurde immer schlimmer. Erneut hielt ich an. Beim Blick auf die Hinterachse stellte ich dann fest, dass das rechte Rad leicht schief hing. Die Runde schlich ich noch bis in die Boxengasse zu Ende. Mithilfe eines Sportskameraden und seiner Frau entfernte ich das rechte Hinterrad (sie schraubte dann später auch noch, trotz Fangopackung an den Händen, das Rad wieder fest!!!) wurde ein glatter Bruch am Hauptrahmen über der Hinterachse sichtbar. Er sah so aus als hätte jemand das dicke Rohr durchgeflext. Das endgültige Aus für mich nach neun Runden in Goldbach. Doch meinem punktgleichen Hauptkonkurrenten Dirk Peter erging es nicht viel besser. Ihm brach (erneut) eine Antriebswelle an der Grizzly. Am Ende des Rennens fährt er drei Punkte mehr als ich ein. Erst in den letzten beiden Runden der GCC wird also die Entscheidung über die Meisterschaft fallen, denn die anderen Fahrer haben durch bessere Ergebnisse auf die Spitze in der ATV-Klasse aufgeschlossen.

Bild: gebrochener XP 850 Rahmen rechts hinten
Mittlerweile habe ich die XP von kiloweisem Schlamm befreit. Dabei sind dann zwei weitere Brüche ( sicherlich Folgebrüche des ersten großen Bruchs durch die Belastungen beim Gasgeben) an der XP sichtbar geworden. Und zwar an den abnehmbaren Hilfsrahmen, die für Montage- oder Wartungszwecke am Motor oder am PVT-Getriebekasten vorgesehen sind. Ich hoffe, dass eine genauere Untersuchung der XP in Griesheim bei Polaris keine weiteren Schäden zu Tage fördert. Mehr dann im nächsten Tagebucheintrag.
Link Adam:
Video: Adam in Action
http://www.youtube.com/watch?v=x5XoN5LcirI&hd=1






