QUADjournal

XP 850 Tagebucheintrag 7

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Schlamm drüber. Sah es zur vorletzten Runde der GCC in Mühlhausen streckenmäßig noch genial aus, so musste die XP am Wettkampftag erneut unter schlammigen Bedingungen antreten. Alles andere als ideal, um eine Meisterschaft ganz vorne zu entscheiden.

 

Doch zurück zum Anfang der Vorgeschichte GCC in Mühlhausen. In Goldbach musste ich das erstemal mit der XP 850 vorzeitig aus dem Rennen wegen eines Rahmenbruchs scheiden. Nach dem Säubern und Zerlegen des ATVs zuhause waren dann doch mehr Schäden als zuerst angenommen sichtbar - leider.

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Bild: Einer der beiden gusseisernen Hilfsrahmenstücke

Um den Gesamtschaden zu rekonstruieren ein paar Details: Die XP 850 besitzt von Hause aus im Originalrahmen zwei verschraubte gusseiserne Hilfsrahmenteile. Unter den bisherigen Einsatzbedingungen auf den Strecken der GCC, meiner heimatlichen Crossstrecke beim Training und sonstigen Einsätzen gab es keine Probleme in irgendeiner Art damit. Der 12 Stunden Dauereinsatz muss den angesprochenen Hilfsrahmenteilen jedoch nicht gut getan haben. Das Gussteil direkt unter dem Sitz (siehe Foto oben) ist beim ersten heimatlichen Training nach dem Endurance Day gebrochen. Aufgefallen ist das aber erst nach Begutachtung eines anderen Schadens in der Werkstatt: Beim gleichen Training brach auch der vordere linke Achsschenkel. Ganz offensichtlich war mein Unfall mit Baumkontakt beim E-Day in Torgau  (links vorne an der XP) doch nicht so spurlos am ATV vorbeigegangen, wie ich mir das gewünscht hätte. Nach dem Ersatz fiel bei der weiteren Durchsicht der XP der oben schon erwähnte Bruch am Hilfsrahmen auf. Dann das Rennen in Goldbach mit dem Ausscheiden wegen Hauptrahmenbruchs.

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Bild: Geschweißter Rahmenbruch hält bis jetzt ohne Probleme

Für mich stand die Frage im Raum wie ein derart massives Rahmenteil einfach so glatt mittendurchbrechen kann. Nach dem Säubern und teilweise Zerlegen des ATVs waren der oder die Gründe zu sehen. Erneut ist im Rennverlauf in Goldbach wohl zunächst erst einer der beiden Hilfsrahmenteile gebrochen, dann auch der zweite. Als Folge von den unter den Rennbedingungen herrschenden Belastungen zuzüglich des Extragewichts des Schlamms von schätzungsweise 100 kg ist der Hauptrahmen, da jetzt eigentlich freischwebend, gebrochen. Unter diesen Bedingungen hatte das Getriebe nach hinten heraus keine Chance zu überleben. Spürbar war das im stark nachlassenden Vorwärtstrieb meines Panzers in der letzten Runde vor dem Aussscheiden.

Zu den Schäden kam nun auch noch der Zeitdruck das Polaris ATV wieder vor dem nächsten GCC-Rennen in Mühlhausen einsatzfähig zu machen. Sechs Arbeitstage waren bis dahin noch übrig. Die schnellstmögliche Ersatzteilversorgung boten,  um kein weiteres Zeitrisiko einzugehen,  vorhandene XP-Vorführmodelle bei Polaris Germany in Griesheim. An dieser Stelle möchte ich mir ausdrücklich bei Gregor Götz und Detlef Wursthorn für ihren Arbeitseinsatz und ihre tatkräftige Unterstützung bedanken. Ohne Sie wäre die XP nicht wieder rechtzeitig fit geworden und die Titelträume entgültig ausgeträumt.

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Bild: Verstärkung der XP 850 am Heck für den Renneinsatz

Um einem ähnlichen Schadensdesaster durch den Bruch der Hilfsrahmen vorzubeugen, wurde der Rahmen am Heck der XP leicht verstärkt. Wenn man es nicht weiß, fällt die Verstärkung auf den ersten Blick gar nicht auf. Für die gusseisernen Rahmenteile gibt es noch keine Verbesserung. Der wiederholte Schaden wurde dem Hersteller mitgeteilt. Ich hoffe da auf eine entsprechende Verbesserung bzw. Verstärkung der bisherigen Teile. Der Hauptrahmenbruch wurde durch Schweißen wieder behoben.

 

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 Bild: Neue Tuningmaßnahme, Endtopf von Hot Seat Performance (96 dBa)

Bezüglich des Tunings ist beim Polaris Panzer ein neuer Auspuff verbaut worden. Ein K&N Filter sorgt für die entsprechende Beatmung. Die Kombination aus leichteren Fliehkraftgewichten in der PVT-Automatik und dem geänderten Endrohr und Filter haben die XP noch mehr zum Tier gemacht - von der brutaleren Soundkulisse (96 dBA) einmal ganz abgesehen. Von unten heraus zieht sie nun gegenüber dem Orginalzustand noch aggressiver los. Das Ziel war es den leichteren ATVs, vor allem den GCC Grizzlys, aus den Kurven heraus Paroli bieten zu können. Der Panzer kanns jetzt. Und wie.

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Bild: Links originaler Luftfilter, rechts K&N Luftfilter für bessere Beamtmung des Motors

Leider blieb vor dem Renneinsatz keine Zeit diese neue Kraftentfaltung ausreichend zu testen und sich ans Biest zu gewöhnen. Am Samstagmorgen vor dem Rennen in Mühlhausen hatte ich die XP in Griesheim erst abholen können. Ein paar Runden auf dem Firmengelände von Polaris mussten einfach genügen.

Ja, und dann kam Mühlhausen. Ideale Wetterbedingungen, eine trockene Strecke, die nach jedem Zweiradrennen wieder bewässert wurde. Klasse. Hier, so dachte ich, kann die Polaris ihr Potential voll entfalten. Auch meine Fitness konnte ich gegenüber Goldbach weiter verbessern. Tja, und dann kam der Sonntagmorgen. Noch wenige Stunden vor dem Hellwerden beginnt es zu schütten. Der Regen hört zwar wieder auf aber bei der Ankunft gegen 7 Uhr an der Strecke verheißt schon die glitschige Pampe auf dem Parkplatz - ins Fahrerlager bin ich erst gar nicht gefahren - nichts gutes. Ich fahre mein Zugfahrzeug samt Anhänger bereits nach wenigen Metern auf dem Parkplatz fest. Na toll, es wird schon wieder ein Matschrennen mit all den nachteiligen Erfahrungen für die 850er, die ich in Goldbach machen musste. So war eines für mich klar, den Allrad würde ich zugunsten der Lenkbarkeit der XP nur im Notfall einsetzen.

Das Startsignal wird gegeben, ich hechte, stark von Matsch gebremst, zum ATV und starte durch. Ich bin wohl der Einzige, der ohne Allrad unterwegs ist. An der ersten Kurve sind schon fünf ATVs vor mir. Da sie aber mehr Schwung mitbringen und weiter nach außen driften kann ich ich mich in der Innenkurve auf Platz drei verbessern. Die Beschleunigung der XP ist phänomenal. Mensch hätten wir jetzt noch trockene Verhältnisse. Doch der Schlamm kennt keine Gnade. Kilo um Kilo haftet er mehr an den ATVs. Eine Ideallinie ist zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht herausgefahren. Also ab durch die Pampe. Zwar lässt sich die Polaris ohne den Allrad wesentlich besser kontrollieren, doch bei der Beschleunigung hat sie das Nachsehen. Die Reifen spielen sicherlich auch eine Rolle. Dennoch kann ich mich vorne behaupten. Bei einem Schlammrennen spielt nicht nur das Fahrzeug, das fahrerische Können und die Kondition eine Rolle, sondern auch der Faktor X. Damit gemeint sind Fahrzeuge die sich direkt vor einem festfahren, sich querstellen, durch Vollgas geben die Hintermänner mit Schlamm von oben bis unten eindecken usw. Und letzteres passiert. Ich kann den Helm nicht schnell genug senken, um die Brille vor den heranfliegenden Fangopackung zu schützen, und habe von einer Sekunde auf die andere keine Sicht mehr. Außerdem muss ich hinter den Gestrandeten warten, bis sie sich befreit haben. Das ATV-Feld fährt nun fast komplett an mir vorbei. Erst in den nächsten Runden kann ich wieder aufschließen.

Die Entscheidung ohne Allrad zu fahren erweist sich als goldrichtig. Die Strecke in Mühlhausen führt nicht annähernd so bergauf und bergrunter wie die in Goldbach. Nur einige Passagen sind knietief verschlammt, mit gutem Reifenprofil befahrbar. Insgesamt ist die Geschwindigkeit höher als noch im vorhergehenden Rennen. Vor allem auf dem Ackerstück und dem asphaltierten/betonierten Wegstück kann ich Zeit gut machen. Einzig das enorme Gewicht der XP bei diesen Geschwindigkeiten fordert die Bremsanlage stärker als sonst. So habe ich in der ein oder anderen Kurve alle Hände voll zu tun die XP mit ihren mittlerweile rund 600 kg (ATV+Fahrer+Schlamm) abzufangen. In Runde vier entschließe ich mich daher anzuhalten und die Front der Polaris sowie die Seitenteile vom Schlamm zu befreien. Zehn Kilogramm weniger an der Front machen bei den Bedingungen einen großen Untersschied. Nicht zuletzt die Federung arbeitet effizienter. Die folgenden Runden verlaufen eigentlich unspektakulär. Ich kämpfe mich auf Position fünf vor. Zwei Runden später auf vier. Es sind noch rund 20 Minuten bis zum Ende des Rennens. Den vor mir liegenden ATV-Fahrer auf Platz habe ich mir schon zurechtgelegt. Doch aufgrund der immer noch schwierigen Streckenverhältnisse gibt es wenige echte Überholmöglichkeiten außerhalb der Ideallinie. Jetzt heißt es nur auf einen Fehler des Vordermanns warten. Und der kommt auf dem Asphaltstück. Beim Überholversuch an einem Quad vorbei kommt es zur Karambolage. Ich kann kurz vor der zweiten 90 Grad Kurve an den beiden Havaristen unbeschadet auf Platz drei vorbeigehen. Endlich. Freie Bahn auf den Zweitplatzierten. Doch  zu meiner Verwunderung werde ich an der Zählstelle mit der schwarz-weiß karrierten Zielflagge abgewunken. Vorzeitiger Rennabbruch wegen den anstehenden Bergungsarbeiten einiger Quads vor dem nächsten GCC-Lauf der Zweiräder. Das war knapp.

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Bild: XP 850 bei der Aufholjagd auf der einen Ideallinie

 

Abschließend bei diesem Tagebucheintag bleibt festzustellen, dass nicht nur die XP unter matschigen Bedingungen schwerer zu pilotieren ist. Das gilt auch für alle anderen Wettkampffahrzeuge. Doch der große Vorteil des 850er Zweizylinders Motorstärke kann sie Matsch beladen einfach nicht mehr überlegen ausspielen. Das haben die vielen Zweikämpfe in Goldbach und Mühlhausen gezeigt. Ist der Vordermann auf der Ideallinie nicht bereit Platz zu machen wird es schwer vorbeizuziehen. Den Allradeinsatz im Rennen sollte man sich gut überlegen. Nur bei geringeren Geschwindigkeiten ist er zu- und wieder abschaltbar, in Kurven trägt er das ATV obendrein bei feuchtem Untergrund weiter nach außen als bei anderen Herstellern üblich. Die Big Horn Reifen sind bei normalen Streckenbedingungen ein gute Wahl , bei tiefgründigerem Schlamm aber “beißen” sie nicht mehr ausreichend. Hier geht der XP zuviel Vortriebsenergie verloren. Trockenet die Ideallinie allerdings wieder nach einigen Runden ab, dann kann man mit dem Potential der Polaris auf bisher schnellere Gegner sehr gut Zeit gutmachen. Bei den Bremsmanövern muss aber unbedingt verinnerlicht werden, dass der Polaris Panzer, als ohnehin schwerstes ATV im Feld, noch schwerer geworden ist und bei Bremsmanövern die entsprechende Voraussicht zu walten hat. Die Kühlleistungen des Kühlers waren trotz des Matsches (ca. 50% weniger freie Kühlrippen) ausreichend. Es gab keine Temperaturprobleme.

 

Video des GCC-Laufs in Mühlhausen:

http://www.quadjournal.eu/atv-quad/2009-08/gcc-2009-runde-6-muehlhausen#more-484