QUADjournal

Grizzly 700 Tagebuch

01.06.2008 

Grizzly_700_Tagebuch.jpgUm euch auf dem Laufenden zu halten wie es meiner Grizzly 700 nach jedem Einsatz geht und was wir neues am ATV verbaut haben starte ich hier bei Quadjournal das entsprechende Tagebuch. Die Ergebnisse und Umbauten sind für alle ATVs und Quads interessant.

Wie alles anfing und warum eine Yamaha Grizzly findet ihr hier:

http://www.quadjournal.eu/atv-quad/2008-05/grizzly-700-tagebuch#more-308

 

 

GCCWalldorf08klien.jpg

Der zweite Lauf der GCC ist nun seit einer Woche Geschichte. Auf der MX-Piste in Walldorf hat sich gezeigt, dass mein Fahrwerk immer noch ein wenig zu weich für meinen Fahrstil ist. Nach dem ersten Lauf in Tollwitz, mit seinen vielen Wellenbergen, habe ich bereits von 35er Federn (es braucht 35 kg Druck, um die Feder einen Zentimeter zusammenzudrücken) bei allen vier Dämpfern auf 40er Federn gewechselt. Das hat in Walldorf im Vergleich zum Lauf eins viel gebracht. Doch während des zweiten Laufs in Walldorf neigte sich die Grizzly in den Kurven zu weit nach außen (zu wenig Vorspannung, zu wenig Fahrzeugbreite) und die kurveninneren Räder hebten regelmäßig ab. Ich hatte so bei der Gewichtsverlagerung alle Hände voll zu, um die Grizz in den vielen Kehren zu bändigen. Dadurch sank natürlich die Kurvengeschwindigkeit. Für die ein oder andere Kurve eine halbe Sekunde - das macht doch nix, mag man denken. Einzeln betrachtet stimmt das, doch …

… rechnen wir ganz objektiv. 9 Runden bis die Zielflagge über mir geschwenkt wurde. Rund 15 größeren Kurvenfarten pro Runde bei denen sich das Neigen des ATVs wirklich zeitlich bemerkbar machte. Zeitverlust pro Kurve ein halbe Sekunde. Nach Adam Riese ergibt das auf die ganze Fahrdistanz einen Zeitverlust von 9 x 15 x 0,5 sek = 67,5 sek sprich 1 Minute und rund 8 Sekunden!!!

Auch die weiteren Strecken (Mernes, Goldbach) der GCC werden große MX-Anteile haben. Also welche Gegenmaßnahmen  nun ergreifen, um einen erneut drohenden Zeitverlust zu vermeiden?

Zunächst habe ich die von den Dunlop Standartreifen (unten, linkes Bild) auf Maxxis Sur Track (unten, rechtes Bild) gewechselt. Die sind um drei Zentimeter breiter und ihre Lauffläche ist nicht annähernd so rund wie die von den Dunlops. Die Grizzly liegt jetzt wesentlich besser in den Kurven. Brutales Profil gibt es obendrein, sollte die Strecke matschig werden. Damit sich die Nase nicht mehr ganz so in die Kurven neigt und obendrein ein besserer Bodenkontakt gewährleistet ist, habe ich die Vorspannung an den vorderen und hinteren Dämpfern um 7 mm (bei WP-Dämpern sind das sieben Umdrehungen des Vorspannrings) erhöht.

Reifen_Dunlop_Original.jpgReifen_Sur_Track.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesmal habe ich die direkte Hilfe vom Hersteller beim neuen Einstellen des Fahrwerks in Anspruch genommen. Im niederländischen Malden, wo WP produziert, habe ich mit John Troost, einem der Spezialisten in Bezug auf Fahrwerkseinstellung beim Quad und ATV, die Federn hinten getauscht und das Fahrwerk neu eingestellt. Hinten sind jetzt 45er und vorne 40er Federn drin. Länge immer noch 240 mm.

Anschließend ging es auf die Piste zum probieren. Erstaunlich für mich immer wieder, dass die Fachleute vom bloßen Hinsehen auf das Fahrwerk während dem Fahren und Springen sagen können, was noch nicht stimmt. Nach ca. 30 Miinuten dann erstaunliches. Die Grizzly hat zwar keine Flügel bekommen, doch auf dem Testparcour, den ich immer wieder gefahren bin, konnte ich mit der Grizzly aggressiver und schneller unterwegs sein, da das fahrwerk jetzt ordentlich etwas wegschluckte. Trotzdem war ich immer in voller Kontrolle über das ATV.

” Mit der Grundeistellung des WP-Fahrwerks ist viel gegenüber dem Standartfahrwerk eines Quads oder ATVs gewonnen. Doch fährt man Wettkämpfe, muss es individuell an den persönlichen Fahrstil angepasst werden. Natürlich auch an die Gegebenheiten der Strecke. Hier hilft nur Probieren. Am besten ist es sich die Grundeinstellung aufzuschreiben und dann die Veränderungen an Zug- und Druckstufe (High- und Lowspeed) mit ihren Ergebnissen genaustens zu dokumentieren. Hilfreich beim Herantasten ist es ersteinmal große Verstellungen, in die ein oder andere Richtung, mit etwa 4 Klicks durchzuführen. Das Ergebnis ist dann wesentlicher besser zu spüren. Erst anschließend sollte die Feinjustierung erfolgen. Beim Resultat ist immer zu berücksichtigen, dass es einen Kompromiss darstellt. Denn die Wettbewerbsstrecken oder das Gelände in dem man sich bewegt ist einfach zu unterschiedlich, als dass das Fahrwerk immer zu 100% allen Wünschen gerecht wird”, erläutert mir John Troost bei meinen Fragen über Fahrwerkseinstellung.

Die ersten Runden auf der heimatlichen Crosspiste am Wochenende bestätigen nocheinmal die Veränderungen. Die Grizzly lässt sich jetzt agressiver fahren und springen. Dennoch gibt es einige Landungen, die mir noch nicht von der Federung her gefallen. Der Wechsel der Federn steht vielleicht erneut zum Ausprobieren an. Vorne dann 45er und hinten 50er Federn. Oder wir müssen das Scheibenpaket im Dämpfer nocheinmal abändern. Ich werde berichten…

Morgen, Montag 02.06.08, geht es erstmal zur Yamaha Präsentation der ATV-Modelle für 2009 nach Portugal. Ich bin gespannt ob sich die Gerüchte in amerikanischen Foren bestätigen (Stichwort YFM550FWA bei der Google-Suche). Demnach soll es eine Grizzly 550 mit Servolenkung geben. Die schließt dann die Lücke, die durch den Wegfall der 660er Grizzly im Modelljahr 09 entsteht. Ist die Gewichtseinsparung der 550er zur 700er Grizzly groß genug, ist die neue vielleicht eine Alternative bei der GCC 2009 zur meiner bisherigen 700er. Die kleine soll 37 PS an den Start bringen. Eine Special Edition in der Farbe weiß mit schwarzen Felgen soll es auch für die 700er geben.

 

11.06.08

Fasst_Flexx_fertig_montiert.jpg

Vielleicht der ein oder andere schon einmal etwas über den Fasst Flexx Lenker aus den USA gelesen. Er soll durch seine Konstruktion bedingt Schläge die durch den Lenker an den Fahrer weitergegeben werden größtenteils abfedern. Nach dem 12 Stunden Rennen am Tropical Island mit der unendlichen Buckelpiste des Rundkurses stand mein Entschluss fest den Lenker einmal auszuprobieren.

Konstruiert wurde der Fasst Flexx Lenker ursprünglich, um nach harten Landungen die Aufprallenergie im Lenker zu absorbieren. Nebeneffekt des Lenkers bei großen Bodenunebenheiten und hohen Geschwindigkeiten ist eben auch die Milderung der kleinen Stöße und damit eine bessere Lenkkontrolle für den Fahrer. Genau das Richtige für den Enduroeinsatz.

Matthias_bei_der_Montage_Fasst_Flexx.jpg Beim Importeur Quadshop Altenstadt, nördlich von Hanau, habe ich mich daher mit Firmeninhaber Matthias Geist, zum Einbau verabredet. Nachdem der originale Yamaha Lenker abgebaut ist geht es an die Montage des Flexx. Es ist ein klein wenig aufwendiger ihn am ATV anzubringen als dass das bei einem herkömmlichen Lenker der Fall wäre. Das liegt aber mehr an der Anzahl der Verschraubungen. Im Fasst Flexx Lenkerkit gibt es verschieden harte Gummipuffer. Wir entscheiden uns für den gelben, die weicheste Stufe. Neben dem Lenker selbst verbauen wir noch einen Rox Riser mit einer Höhe von 6 Zentimetern. So sitzt der Flexx auf der gleichen Höhe für die Hände wie der originale Lenker. Das Resultat kann sich sehen lassen. Ich bin schon gespannt auf den ersten Einsatz und ob man tatsächlich einen Unterschied spürt. Fasst_Flexx_Gummis.jpg

Der Einsatz lässt nicht lange auf sich warten. Lauf 2 der GCC, Walldorfer Waldprüfung. Die Strecke ist gespickt mit Sprüngen und einem Wald- und Wiesenanteil, der sich gewaschen hat. Ideale Voraussetzungen also für einen Testeinsatz. Nicht so ideal ist meine Müdigkeit während dem Rennen. An Schlaf war die Nacht vorher wegen einer Fete in der Pension, in der ich übernachtet habe, nicht zu denken. Am Ende sind mir 2-3 Stunden vergönnt - und die aber nicht am Stück. Entsprechend fit gehe ich in das Rennen. Müdigkeit bedeutet auch immer Konzetrationsschwäche, zumindest bei mir. Und so mache ich den ein oder anderen Fehler beim Springen. Zum Glück habe ich den Flexx montiert. Meine paar unsaften Landungen hätten mir trotz der Servolenkung meiner Grizzly den Lenker aus den Händen gerissen. Der Flexx federt das ab. Aber auch auf den Buckelpisten ist der Unterschied zu meinem herkömmlichen Lenker zu spüren. Die Hände, Unter- und Oberarme werden nicht ganz so heftig durchgeschüttelt. So laugt mich die Strecke nicht völlig aus. Am Ende reicht es trotzdem für den dritten Platz in der ATV-Klasse. Das Ergebnis des ersten Fasst Flexx Einsatzes ist also durchweg positiv.

Zwei Wochen später am Wochenende dann geht es endlich einmal ausgeschlafen auf eine Crosspiste mit Sprüngen. Das veränderte Fahrwerk und der Flexx Lenker sollen jetzt auf Hartboden beweisen was geht. Nach dem Aufwärmen scheuche ich die Grizzly für eine Stunde über den Kurs des MSC Reil -  nahegelegen an der Mosel. Aufgrund meiner Arbeit bin ich in den Wochen zuvor irgendwie nicht dazu gekommen die Unterarmmuskulatur weiter zu trainieren. Vor allem der rechte Unterarm macht sich mit “dickwerden” nun auf meinen Turns bemerkbar. Das Problem hätte mich normalerweise zum Anhalten gezwungen, doch dank des Fasst Flexx Lenkers und des immer besser arbeitenden Fahrwerks kann ich die Stunde Training durchziehen.

Mein persönliches Fazit zum Fasst Flexx Lenker: Der Lenker hält was er verspricht. Ermüdungsfreier ist man damit auf jeden Fall unterwegs  - ob nun auf langen Enduroetappen oder auf der Crosspiste. Bei Fahrfehlern, vor allem nach Sprüngen, vermeidet er vieles, doch ein Allheilmittel ist er gegen die Fehllandungen nicht. Die erste Wahl vor einem solchen Lenker, Preis ca. 390,- Euro, sollte deshalb auf ein ordentliches Fahrwerk fallen. Ist das jedoch nicht bezahlbar stellt der Fasst Flexx Lenker sicherlich eine preisgünstige Alternative dar, um einen Teil der Schläge in den Oberkörper abzufangen. Ein völliger Ersatz für ein gutes Fahrwerk ist er jedoch nicht. Er ist die Highend Stufe für den Fahrer der nach wirklich allen Komfortmöglichkeiten für ein anstrengendes Rennen sucht. Einziger Nachteil in meinen Augen ist das höhere Gewicht des Fasst Flexx Lenkers gegenüber einem handeslüblichen.